Schnipsel – aus dem Roman: Rosi-und dann kam Spanien
Inge schob sich neben sie durch die Menge, als wäre sie die heimliche Bürgermeisterin dieses Platzes. Leopardenjacke, Schal in Neonpink und in der Hand Fridolins Leine, die sie mit lässigem Schwung führte, während der kleine Hund nach jeder dritten Wurst schnappte, als sei er auf einer sehr persönlichen Mission. „Nu guck dir dit an, Rosi, die Oliven da! Schwarz wie die Nacht, wa? Det passt! Genau dein Scheidungshimmel.“ Sie beugte sich verschwörerisch zu Rosi. „Aber weeßte wat? Danach wird’s wieder hell. Ick sach dir: Sonnenaufgang mit Prosecco!“ Rosi schnaubte. „Inge, du klingst wie ein Horoskop mit Alkoholproblem.“ „Horoskop? Ach wat. Ick bin die nackte Wahrheit, Schätzelein – nur hübscher verpackt!“ Rosi lachte und griff nach einer Orange. Die Schale duftete intensiv, frisch, wie Sonne in der Hand. Sie drückte ein bisschen zu fest – der Saft spritzte ihr an die Finger. Vielleicht, dachte sie, war genau das der Anfang.